Psychische Störung

Psychische Störungen gibt es, seitdem es Menschen gibt. Jede geschichtliche Epoche hat diese Erkrankungen anders begründet. Von dem Ungleichgewicht der Säfte bis zur Besessenheit durch Dämonen zeigen die bunten Interpretationen, dass Menschen noch nie gut umgehen konnten mit diesem Krankheitsbild.

Auch heute nicht. Die Psychiatrie beschränkt sich fast ausschließlich auf die Gabe von Psychopharmaka, die manchmal sehr gut wirken und den Kranken ein (fast) normales Leben ermöglichen. Es wird aber, und das ist meine sehr persönliche Meinung, zu wenig der Fokus auf gesellschaftliche Bedingungen gerichtet, die Menschen in die Krankheit treiben können.

Unsere Gesellschaft bietet kaum Orientierung, Gefühle werden entwertet, mit der Sinnfindung stehen wir weitgehend alleine da. Dem Anspruch an Leistung, materiellem Erfolg und Schönheit können hingegen wenig Menschen entsprechen. Wie sollen so persönliche oder familiäre Dramen eingeordnet und bewältigt werden?

Psychische Erkrankungen gehören zum menschlichen Leben dazu. Sie verweisen auf die Brüchigkeit unseres Daseins. Nur Menschen können an sich zweifeln, verzweifeln und sich dabei in den Tiefen des Bewusstseins verlieren.

Psychische Störungen sind viel häufiger als wir annehmen. Nach einer Studie der WHO leidet weltweit jeder vierte Arztbesucher daran. Deutsche Studien sprechen von ca. 8 Millionen Deutschen mit behandlungsbedürftigen psychischen Störungen. Die meisten klingen - zum Glück - nach einiger Zeit wieder ab.

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